Geschichte der DSDL

Vom „Regiebetrieb“ zum Energiedienstleister – 107 Jahre Dillinger Werkgeschichte

Ein „neuzeitliches Werk von höchster Bedeutung für die Allgemeinheit“ nannte der „Donaubote“ im März 1926 anlässlich des dreißigjährigen Jubiläums das Elektrizitätswerk Dillingen. Als erstes der beiden ehemaligen Eigenbetriebe bildet es den Anfang der Geschichte der Donau-Stadtwerke Dillingen-Lauingen. Entdecken Sie die Highlights aus 107 Jahren Werkgeschichte von der Gründung bis zur Zweckverbandsfusion im Jahre 2002.

Der Bürgermeister und Hofrat Friedrich Degen hat im Winter 1893 eine mehr als zündende Idee. Er will die Stadt durch Errichtung eines Elektrizitäts- und Wasserwerks mit Nutzwasser und Licht versorgen. Er ist begeistert von den neuen kulturellen Annehmlichkeiten, die durch den rasanten Fortschritt der Technik möglich wurden.

Aber das Vorhaben löst arge Kämpfe in Gemeindeverwaltung und Bürgerschaft aus. Degen bleibt hartnäckig. Sein Mut und seine Weitsicht setzen sich durch. Bei ersten Bohr- und Pumpversuchen im Januar 1894 werden ausreichend gute Trinkwasservorkommen im nahen Schulgarten entdeckt. Ingenieur Richard Bock aus Aufhausen wird herbestellt. Er arbeitet das Planungskonzept für das Doppelwerk aus:

 

Mittels Dampfmaschinen, Dynamos und Akkumulatoren soll elektrischer Strom erzeugt und teils zu Beleuchtungszwecken, teils für Motoren verwendet werden. Ein solcher Elektromotor soll auch das Pumpenwerk treiben. Die Pumpen leiten dann das Wasser durch zwei Windkessel in das Wasserleitungsrohrnetz, das seinerseits aus Ringleitungen mit Unterflurhydranten besteht. Das elektrische Leitungsnetz soll oberirdisch geführt werden, mit Speisepunkten und Fernschaltern, die es ermöglichen, „die Lampen der Straßenbeleuchtung von der Zentrale aus anzuzünden und auszulöschen“. Das Gebäude selbst stellt sich der Ingenieur in Ziegelbauweise vor. Neben den Räumlichkeiten für Maschinen, Kessel und Pumpen schafft es Platz für Akkumulatoren und Rohrleitungen, sowie für zwei komfortable Dienstwohnungen.

Die erste Schalttafel um die Jahrhundertwende zierte noch das Städtische und Bayerische Wappen.

Der Plan wird Realität. Feierlich in Betrieb genommen wird das Werk, das am Ende 848.750 Mark kostet, am 1. Februar 1896. Ein Verwaltungsausschuss wird konstituiert. Den Vorsitz behält der Bürgermeister. Dazu gesellen sich drei Magistratsräte und drei Gemeindebevollmächtigte, die den Verwaltungsausschuß bilden. In der „Zentrale“ angestellt sind ein Betriebsleiter, ein Maschinist, ein Elektromonteur, ein Lampenwärter, zwei Heizer und zwei Tagelöhner. Es gibt 25 Bogenlampen und 149 Glühlampen in der städtischen Straßenbeleuchtung, 166 Privatanschlüsse mit 22 Bogenlampen und 3242 Glühlampen werden außerdem versorgt. Schnell steigt der Wasserverbrauch und am fehlenden Hochbehälter wird der größte Mangel sichtbar, den man sehr bald abstellen möchte. Ein eigener Wasserturm ist nötig. 1901 wird er für stolze 61.072 Mark errichtet.

In den folgenden Jahren wird auch das Wasser- und Elektrizitätswerk ständig erweitert. Die Rentabilität ist bis dahin sehr ordentlich. Um sie zu verbessern, geben die Werke am 12. Mai 1912 den Dampfbetrieb auf und führen stattdessen die effizienteren Dieselmotoren ein.

Dieselmotorenanlagen ersetzten ab 1912 den Dampfbetrieb.

Zwar wird die Beschaffung der Betriebsstoffe während des beginnenden Weltkriegs immer schwieriger. Durch geschickte Vertragsverhandlungen mit den Lech-Elektrizitätswerken Augsburg im Dezember 1915 kann die Werkleitung dennoch weiter sehr wirtschaftlich Strom beziehen. Die Monteure können die neue Umformeranlage mit 60 Kilowatt Leistung schon ein Jahr später in Betrieb nehmen. Eine neue Pumpenanlage gesellt sich zwei Jahre später dazu, mit der Feuerhydranten in Brandfällen nun mit 6 Atm. gespeist werden können. Weil Leuchtmittel und Kohle während des ersten Weltkriegs knapp werden, kommt es gleichzeitig zu einer starken Nachfrage beim Kraftstrom, der die Rentabilität sehr begünstigt.

1923 wagt man sich an ein neues Projekt zur Stromversorgung. Man denkt an eine Wasserkraftnutzung der Egau, verwirft das Projekt jedoch vor allem wegen der fehlenden Eigenmittel und der Widerstände der vielen Fischereiberechtigten. Letzlich aber will man den Unmut der Bevölkerung für die dafür notwendigen Preiserhöhungen nicht auf sich ziehen. Stattdessen leistet man sich bereits ein Jahr später eine Warmwasser-Badeanstalt mit Wannen- und fünf Brausebädern. Bis dato gab es Badegelegenheiten mit Warmwasser ja nur in Gasthäusern. Das Werk dagegen liefert nun kostenloses, durch das Kühlwasser der Dieselmotoren etwa auf 60 Grad Celsius erhitztes Wasser. Die Preise für die Bäder können entsprechend niedrig gehalten werden. Im ersten Jahr nutzen nicht weniger als 12.400 Kunden das Angebot.

Nach den ersten drei Jahrzehnten geben die technischen Kennzahlen eine erste Erfolgsgeschichte wieder: 215 „Brennstellen“ in der öffentlichen Straßenbeleuchtung stehen 1450 Privatanschlüssen gegenüber, daneben gibt es 300 Elektromotoren mit rund 800 PS, 680 Anschlüsse im Wasserleitungsnetz, 158 Hydranten für Feuerlöschzwecke und Straßenbesprengungen. Personell zeigt sich das Werk immer noch verhältnismäßig schlank strukturiert und besteht aus einem Betriebsleiter, je einem Oberbuchhalter, Buchhalter und Kassenbote, je einem Obermaschinist und Maschinist, vier Monteuren und vier Hilfsmonteuren.

Mitarbeiter der Stadtwerke im Maschinenhaus, stehend Betriebsleiter Otto Fischer.

Zukunftsperspektiven werden mit der Ausdehnung der Wasserversorgungsgebiete und der Erweiterung einer Saugbrunnenanlage geäußert, auch eine Gleichrichteranlage, die hergeleiteten Drehstrom direkt in Gleichstrom wandelt, wünscht man sich. Und so kommt es auch. Ein neuer Tiefbrunnen folgt 1929 direkt auf dem Werkgelände, ein zweiter 1935 im Taxispark, neue Akkumulatoren und ein Quecksilberdampfgleichrichter werden angeschafft und die wirtschaftliche Situation könnte kaum besser sein.

In den Kriegsjahren nimmt die Entwicklung dann aber ein abruptes Ende. Der Strombezug macht immer mehr Probleme, auch aufgrund der knappen Heiz- und Brennmaterialzuweisung und der kalten Winter. Stromeinsparungsverordnungen greifen nicht ausreichend, sodass der Stromverbrauch seitens des Elektrizitätswerks erstmals gedrosselt werden muss. In den ersten Nachkriegsjahren werden die Wasserrohrnetze im Gleichsschritt mit der wachsenden Einwohnerzahl der Stadt langsam erweitert und auch die Straßenbeleuchtung verbessert. Flüchtlingsproblematik, Wohraumverknappung, wenig Heizmaterial und hoher Strombedarf bei leeren Kassen, aber auch das Diktat der Besatzer sind jetzt zum Teil ganz neue Herausforderungen, mit denen sich die Stadtwerke auseinander setzen müssen.

Die Währungsreform und die Wiedererlangung der Kreisfreiheit begünstigen dann aber die wachsende Stadt und auch die Wirkungsbereiche der Stadtwerke. Die Stromumstellung von Gleich- auf Drehstrom, der Bau von Trafostationen, die allmähliche Verkabelung des Freileitungsnetzes, aber auch die dringende Erschließung neuer Wasserquellen, u. a. im „Auhölzl“ bestimmen die 50er Jahre.

Die Ausdehnung der Baugebiete, der Firma Bosch und anderer Großbetriebe, aber auch die Wiederbelegung der Luitpoldkaserne erfordern immer größere Anstrengungen bei der Wasserversorgungen. Das Stromangebot für Elektrospeicherheizanlagen wird in dieser Zeit erheblich erweitert, Nachtspeicherheizungen scheinen sich durchzusetzen.

Von historischer Bedeutung ist der Bau einer 110 KVFreiluft-Umspann- und Schaltanlage der LEW neben der Firma Röhm mit einem Investitionsvolumen von 2 Millionen Mark, durch die man auf Jahrzehnte hinaus an das westeuropäische Stromnetz angeschlossen ist und erstmals Energiesicherheit garantieren kann. 1969 stattet man erstmals das Wasserwerk mit einem eigenen Labor für die Trinkwasserprüfung aus. Und im gleichen Jahr feiert die elektronische Datenverarbeitung auch bei den Stadtwerken Premiere.

Am Oberen Quellweg stellen Bauarbeiter Betonmasten für Freileitungen auf.

Die ersten Verbrauchsabrechnungen werden mit Computer über die Sparkasse abgewickelt. Die zunehmende Ausweitung der Industriestandorte, der Bundesstraße, des innerstädtischen Straßenbaus und neue Eingemeindungen verlangen wiederholt Erweitererungsmaßnahmen an Strom- und Wassernetzen, an Betriebseinrichtungen und Gebäuden. 1977 erwerben die Stadtwerke die erste selbstfahrende Hebebühne mit Teleskop-Hubarm zur Instandhaltung der aufkommenden Straßenbeleuchtungsanlagen an der B16.

Den Umbau der Fahrbahn am Stadtberg Anfang der 80er Jahre nutzten die Stadtwerke für weitläufige Sanierungsarbeiten an Kabeln und Rohren. Auch neue Straßenbeleuchtungskörper wurden aufgestellt.

Ein Jahr später zieht die Errichtung des Donaukraftwerks durch die Rhein-Main-Donau AG die Verlagerung der Wassergewinnung in tiefere Ebenen nach sich. Zwei Tiefbrunnen mit 200 und 300 Metern Bohrtiefe werden gebaut, die alten Flachbrunnen im Auhölzl stillgelegt.

1982 kaufen die Stadtwerke das ehemalige Feuerwehrheim an der Nordseite der Betriebsanlage und nutzen es als Fuhrpark. Neubaugebiete wie im „Fabriksträßle“ und neue Gewerbegebiete im Westen und später auch im Osten der Stadt werden mit Versorgungseinrichtungen ausgestattet. Auch zahlreiche Flächen im Zuge der Altstadtsanierung werden mit neuen Hauptleitungen für Strom und Wasser ausgetattet, darunter auch die letzten Freileitungen „unter Tage“ verkabelt.

Ein Meilenstein in der Entwicklung der Stadtwerke ist die Übernahme des Eichwaldbads und des Hallenbads im Jahr 1984 mit Errichtung eines Blockheizkraftwerks. Es versorgt nicht nur das Freibad, sondern auch rund 100 Wohnungen im Umkreis mit Energie. Während schon zwei Jahre später die Attraktivität des Eichwaldbads durch eine Riesenrutsche, ein Kinderschwimmbecken und zahlreiche weitere Modernisierungen enorm erhöht wird, erlebt das 1924 gegründete Wannen- und Brausebad auf dem Werksgelände seine letzten Tage. Am 25. Juli 1992 wird es wegen Unrentabilität geschlossen.

Die Übernahme der Stromversorgung aller Stadtteile von den Lech-Elektrizitätswerken AG markiert die letzte wichtige Entscheidung in der Geschichte des Eigenbetriebs. Bis zum Beginn der Zweckverbandsära investieren die Stadtwerke noch in die Sanierung des Wasserturms und eines neuen Saugbehälters mit Maschinenhaus auf dem Werksgelände, in EDV-Anlagen, ein Notstromaggregat, eine neue Hebebühne der Marke „Ruthmann-Steiger“ oder in den Einbau einer Waschhalle für den Betriebsfuhrpark.

© 2017 Donau-Stadtwerke Dillingen-Lauingen